Atlantiküberquerung

28. November bis 16. Dezember 2019

Seetag 1 16°53‘206“N / 25°59‘477“W

Heute ist es soweit, Andrea und ich sind bereit für die Atlantiküberfahrt. Mit den Jungs von der SY MATROOS wollen wir eine Flotte bilden und hoffen das wir bis zum Ende zusammen bleiben. Wir werden sehen.

So gegen 13.15Uhr versammeln wir uns am Steg und verabschieden uns von allen am Steg. Sogar Remy ist nochmal vorbeigekommen. Er hatte heute früh nochmal Immigration Themen mit Sam, da wir 2 Tage vorher schon ausklariert hatten und Remy in der Zwischenzeit sich umentschieden hatte doch auf den KapVerden zu bleiben und seine Reise nach Brasilien fortzusetzen. Remy alles alles gute Dir dafür. Dafür hat die SY MATROOS sich Verstärkung in form von Mike organisiert. Andrea und ich sind gespannt wie er so drauf ist. Wir werden es noch feststellen. Es ist ein herzlicher vorfreudiger Abschied. Gegen 14 Uhr legen wir ab und wollen am Fueldock nochmal final Diesel bunkern. Als wir den Fueldock ansteuern liegt dort eine mega Segelyacht dort. Wir nehmen beim vorbeifahren Kontakt mit den Tankwart auf der uns mitteilt, dass das Betanken der Megayacht noch ca. 1h dauern wird. Also drehen wir unsere schleifen, bis ein Hafenmitarbeiter uns sieht und auf die Innenseite des Fueldocks schickt um dort zu warten. Vorher haben wir noch die SY MATROOS angefunkt, damit sie am Dock bleiben und nicht auch unsinnig An- und Ablegemanöver üben müssen.

Sao Vincente / KapVerden

Gegen 15 Uhr werden wir betankt. Knappe 70 Liter bunkern wir. Somit haben wir 90 Liter Diesel im Tank und nochmal 50 Liter in Kanistern als Reserve. Das sollte doch reichen. Wir motoren aus dem Hafen von Mindelo. Ein Blick zurück. Ein bischen Wehmut, war es doch ein ungewollter Stop aber irgendwie hat dieser ungewollte Stop neugierig gemacht. Im Nachhinein hätte ich gerne mehr Zeit dort verbracht. Jedoch wollen wir und die Jungs von der SY MATROOS Weihnachten nicht auf dem Atlantik feiern, daher der Aufbruch…

So geht es in die Strasse zwischen Sao Vincente und Sao Antao. Hier wird frischt der Wind auf, so dass die Genau ausgerollt wird und der Motor pause hat.Wir fahren mit angezogener Handbremse los, damit die SY MATROOS nach dem Diesel bunkern aufholen kann.

Wettertechnisch haben wir uns entschieden erstmal nach Südosten zu schwenken um nicht in den Inselwindschatten von Sao Antao zugeraten, dann nach Süden abdrehen und ca. 50sm südlich von Sao Vincente wollen wir nach Westen . So geht es ums Südkap von SaoVincente mit mehr als 5kn Speed Over Ground (SOG), hier frischt der Wind auf 25kn auf und der Halbwindkurs wird etwas ruppiger. Der Windpilot macht seinen Job gut, solange nicht zuviel Druck auf dem Ruder entsteht, bzw. Marzemino mit zuviel Tuch unterwegs ist. So geht es in die erste Nacht. Andrea legt sich schlafen, da sie die letzte Nacht nicht sonderlich gut geschlafen hat. Ich werde von einem Fracht angefunkt der mich bitte den Kurs einbsichen zu ändern, damit Marzemino mit genügend Abstand den Fracht am Heck passieren kann. Bischen an der Windfahne drehen und Marzemino fährt etwas mehr nach Osten. So geht es in die erste Nacht. Ich habe das Großsegel eingeholt, um nicht zu überpowern und da ich vorerst alleine Nachtwache halte wollte ich es entspannt angehen. Die SY MATROOS fliegt im Rausch der Geschwindigkeit an uns vorbei. Bald darauf Verschwinden sie im Dunkeln und auch der Funkkontakt reist ab. Sprich das VHF Problem ist nachwievor vorhanden und das Splitter tauschen für den A****. Na Prima… Problemlösung vertagt…

2. Seetag 15°27‘368“N / 26°01‘128“

Das 1.te Etmal meiselt mit 118,2sm in 22h einen Schnitt von 5,5kn hin. Der Start war eine richtige Rauschefahrt und die erste Nacht bis auf das Frachter ausweichen recht unspektakulär. Nur ist die SY MATROOS leider nicht mehr in Sicht. Wir scheinen Sie wohl verloren zu haben. In der Nacht haben wir ihr Toplicht noch gesehen aber jetzt ist am Horizont nur Atlantik zusehen.

Der Schmetterlingsbesegelung ist gesetzt somit auch der Bullenstander (Preventer). Diese wird vom Windpiloten das eine oder andere Mal genutzt, da leider nach wie vor die Kurstreue ca. 20° auf beide Seiten beträgt. Hier werde ich noch optimieren müssen nur gehen mir langsam die Ideen aus…

Sehr spannend ist es die fliegende Fische zu sehen wie sie über das Meer gleiten. Man sieht sie sehr häufig. Ansonsten wir die freie Zeit mir lesen, Musik hören und chillen oder schlicht weg Meer schauen verbracht. So ging es in die zweite Nacht. An das Intervall schlafen müssen wir uns erst noch gewöhnen, aber es ist zum Glück nicht viel Verkehr auf dem Teil des Atlantiks.

3. Seetag 14°25‘449“N / 27°51‘623“ W

Das 2.te Etmal ist mit 117 etwas schlechter als der Vortag jedoch immer noch über 100sm, welches ich für Marzemino als Ziel für die Barfussrouten Atlantiküberquerung ausgerufen habe. Somit voll im Soll. Es folgt der erste Abwasch, natürlich mit Atlantikwasser umd Trinkwasser zu sparen. Es ist beeindruckend wie lange die kleinsten Dinge dauern, wenn auf dem Meer unterwegs ist (zumindestens wenn das Boot keine 3m Breit ist). Ebenso ist mir das Handy vom Navitisch geflogen, wobei der Akku sich gelöst hat. Kein Drama nur neustarten musste ich. Eine App kam mit dem abrupten Ausschalten nicht klar, SailLog. Eigentlich eine nette Logbuch App die ich schon auf der Überfahrt zu KapVerden getestet und gerne genutzt habe ist nicht mehr zum Leben zu erwecken. Also beschäftige ich mich mit dem Plotter und finde dort die Funktion die Etmal Seemeilen zu Tracken.

Andrea und ich sind beide etwas gerädert von der Nacht, da die Welle schräg von Achtern anrollt und Marzemino das mit Rollen quittiert. Dazu knarzt es an allen Stellen im Boot. Auch an diese Geräuschkulisse muss man sich erst gewönnen, wenn man als Skipper auch noch alles hören will was nicht zum „normalen“ knarzen gehört.

Auch die morgen Wäsche stellt sich bei dem Geschaukele etwas schwieriger an. Für das Duschen habe ich eine Solardusche gekauft die in Mindelo noch mit frisch Wasser gefüllt wurde. Positiv ist, dass diese sehr sparsam mit dem Wasser ist. Nachteil recht schwer 20Liter irgendwo oberhalb zu befestigen und dann drunter genügend Platz zum duschen zu finden. Irgendwie klappt es dennoch.

Ebenso ist der westliche Kurs etwas ungünstig für die Stromerzeugung, da beide Solarpanels ab um ca. 14Uhr im Schatten von Genua und Großsegel sind. Erschwerend kommt hinzu, dass der achterliche Wind mit knapp 20kn nicht ausreicht um den Windgenerator zum arbeiten zu überzeugen. Dies macht er meistens dann Nachts, wenn der Wind auffrischt. Wir haben bisher jede Nacht beobachtet, das nachts der Wind auffrischt. Wieso auch immer….

So auch heute wieder. Wir entdecken in der Nacht dann tatsächlich ein grünes Licht. Wir vermuten, dass es die SY MATROOS ist. Funkkontakt gelingt nicht. So geht es weiter gen Westen in die dunkle Nacht. Der Sternenhimmel ist einfach bombastisch und es ist beeindruckend wie oft man Sternschnuppen sieht, ohne das gerade die Perseiden vorbeiziehen.

4. Seetag 13°49‘078N / 29°51‘213“W

Das 3. Etmal steht fest. 123 sm sind es heute. Früh am morgen sehen wir SY MATROOS. Ich funke erneut und habe die Handfunke im Cockpit platziert um die Antwort hören zu können, da ich vermute, dass das Problem mit der VHF Funkgerät und dem Empfangen von Funksprüchen immer noch besteht. Es funktioniert und wir können so mit den Jungs sprechen. Sie teilen uns mit, dass unser AIS anscheinend nicht mehr sendet. Sehr komisch, sollte der Tausch des Splitters doch alle Probleme beheben und nicht mehr verursachen. Ich probiere mich im Neustart der Elektrik um so das AIS neuzustarten. Es will nicht. Es zeigt eine Warnlampe, die später dann verschwindet und dann sendet das AIS wieder die Positionssignal von Marzemino. Soviel schon einmal vorab, das bleibt dann auch bis zum Schluss so. Dennoch geb ich den Jungs von SY MATROOS recht, es war eine Leistung uns im Atlantik wieder zu finden ohne unser AIS Signal. Umso mehr freuen wir uns, als wir sie wieder in Sichtweite haben. Später fange ich an Ukulele zu lernen, bzw. bringt mir Andrea die ersten Schritte bei, da Sie schon etwas Gitarren spielen kann. Ansonsten versüßt uns ein Hörbuch noch die Zeit. Nur essenstechnisch sind wir beide noch nicht sonderlich angeregt. Eine Buchstabensuppe steigert jedoch das wohl befinden.

Ansonsten hat uns der Passatwind voll erfasst und wir machen gut Speed gen Westen. Es ist schön zusehen wie Marzemino saust und Wasser gurgelt. Einfach schön.

5. Seetag 13°51‘017“N / 32°06‘102“W

Das 4.Etmal ist ein neuer Rekord, 132 sm heißt 5,5kn im Schnitt. Wahnsinn! Haben wir ein Glück mit dem Wetter. Ich probiere mich mal wieder den Windpiloten zu einem besseren Steuerergebnis zu bewegen mit mal mehr mal weniger Erfolg.

Dafür sorgt ein anderes Ereignis für einen Glücksmoment. Habe ich schon oft mich über die vielen Motorstunden und Meilen unter Motor beschwert, ist es heute soweit. Segelmeilen und Motormeilen haben Gleichheit erreicht. Fühlt es sich als Segler doch immer doof an, wenn der Jockel brummt umso mehr genieße ich diesen Moment und das fast geräuschlose dahin Gleiten durch den Ozean.

Die erste 2,5kg Gasflasche ist nun seitdem Start am 18. Juli 2019 tatsächlich leer. Das sind 137 Tage für eine so kleine Gasflasche. Da hat sich der Kauf des kleinen Elektroherdplatte doch gelohnt.

Dummerweise zerstöre ich den von mir heißgeliebten MP3 Player dann selbst, als ich mich etwas unbedacht mit den Ellenbogen auf dem Navitisch abstütze und nicht sehe das mein Ellenbogen genau das Display vom MP3 Player trifft. Dieses ist natürlich nicht für solche Belastungen aus gelegt und bricht. So ein Mist 😦

Ansonsten versuche ich sooft es geht die weite des Atlantiks in mich aufzusaugen. Schön ist auch immer wieder der Anblick von Matroos in den Wellen. Die Atlantikwelle ist langgezogen, so dass manchmal der Rumpf von Matroos nicht mehr zu sehen ist und Sekunden später sind wir wieder auf dem Wellenberg ist sie wieder komplett zu sehen.

6. Seetag 13°48‘164“N / 34°12‘501“W

Das 5. Etmal steht mit 124 sm und braucht sich nicht verstecken. Generell sind die ersten 5 Tage schneller als ich mir das ausgemalt habe. Beschweren will ich mich nicht, wer weiß vlt. Sind wir irgendwann froh über die „Extrameilen“ (alle Meilen über 100sm pro Tag sehe ich als Extra an).

Es wird mal wieder Zeit für eine Dusche im Cockpit. Auch das zweite mal mit der Solardusche klappt zwar, dennoch ist es etwas mühsam. Der Effekt, dass man sich jedoch wieder als Mensch fühlt und nicht mehr gar so riecht ist einfach klasse!

Langsam kommen wir im Rhythmus von Wind und Welle an. Es wird jetzt auch nicht nur das vorgekochte essen warm gemacht, sondern sogar selbst gekocht. Das schmeckt besser und steigert das Wohlbefinden zusätzlich.

Die Windfahne kämpft heute mit dem etwas lauen Lüftchen von achtern und den hohen Wellen. Nach einer Weile beschließen wir selbst zu steuern. SY MATROOS ist 1,2sm vor uns. Wir wollen Sie einholen. Das Rennen geht los. Wir holen das Groß komplett raus und es wir getrimmt um auch das letzte Zehntel rauszuholen. Wir holen auf, jedoch sehr sehr langsam. Es hat etwas von einem „Elefanten“Rennen auf der Autobahn, wenn ein LKW den anderen überholt. Bis wir Matroos eingeholt haben ist auch schon wieder Sundowner Time. Generell ist das Rennen sehr lustig, da dies mit sich anfeuernden VHF Funksprüchen einhergeht. Wir machen Fotos von Matroos und Matroos von uns. Es ist ein heiden Spaß.

Bei dem ganzen Rennen sind wir etwas vom Kurs abgekommen und ca. 10sm nach Süden abgekommen. Dies versuchen wir nun wieder reinzuholen. Der Wind hat auf 6Bft aufgefrischt. Das heißt für uns Spibaum bergen und versuchen ohne Spibaum etwas mehr „Höhe“ nach Norden laufen zu können bzw. nicht weiter nach Süden zu kommen. Tatsächlich ein Boot in Sicht, welches in der Dunkelheit gut zu erkennen ist aufgrund der Festbeleuchtung. Es ist ein japanisches Fischerboot. Sowohl SY MATROOS als auch wir versuchen vergebens Funkkontakt zu ihnen herzustellen, da Kurs und Geschwindigkeit sehr variieren und nicht klar ist wo der Fischer hinwill. Zum Glück müssen Fischer nicht antworten. Grummel! Also großräumig ausweichen und das bei 6BFT. Spitze! Heißt wieder alles was wir nach Norden gut gemacht haben wieder aufzugeben und nach Süden auszuweichen. Was für eine Nacht! Ich hab Hunger…. Und kann mich nicht durchringen zu was ich essen will.

7. Seetag 13°43‘787“N / 36°13‘854“W

Das 6.Etmal beträgt 121 sm. Marzemino verwöhnt uns weiterhin mit tollen Etmalen. Der Wind von gestern Nacht hat eine schöne Welle aufgebaut. Nicht nur eine schöne Welle hat die Nacht gebracht. Andrea und ich sind beide etwas gerädert von der anstrengenden Nacht. Spibaum einholen im dunkeln ist nochmals stressiger als bei tageslicht.

Gegen späten vormittag bekommen wir auch den ersten Squall ab, bzw. den Rand. Der Wind frischt von 18kn auf 29kn auf. Da wir nur den Rand abbekommen nieselt es nur einbischen. Kaum ist der Squall durch beschäftigt mich der sehr böige und in der Richtung stark springende Wind sehr. Ständig die Windfahne anpassen, auch wenn diese etwas sehr streut in der Richtung in die sie steuert.

Wir starten die ersten Angel versuche seit der Überfahrt zu den KapVerden. Es beißt ein Fisch, den wir leider verlieren. Da ist er mit dem Leben davon gekommen. Wir versuchen es morgen wieder.

Marzemino saust die Welle mit kurzfristig bis zu 10kn hinab. Ein Wahnsinns Ritt. Spannend zu sehen wieviel Kraft so eine Welle entwickeln kann. Die Farbe vom Meer wird immer blauer. Ich rätsel wie ich das Blau am besten beschreiben kann. Ich tendiere zu Stahlblau…. Egal wie die Farbe ist intensiv. Ich hoffe das bleibt mir so im Kopf ein toller Moment. Welle, Farbe, Himmel….

8. Seetag 13°42‘089N / 38°25‘872“

Das 7.te Etmal beträgt 128sm. Ihr könnt Euch denken, dass mich das sehr erfreut. Gerne mehr davon.

Schmerzhafte Erfahrung mach ich mit der Nasszellen Tür. Ich halte mich einen Moment zu lange am Türrahmen der Nasszelle fest. Eine Welle schmeißt Marzemino nach Steuerbord ehe Marzemino mit Wucht nach Backbord zurück schwingt. Die Nasszellentür nimmt fahrt auf und will zufallen, was ich „geschickt“ mit dem Fingernagel vom Ringerfinger zu verhindern weiß. Der Finger schmerz ich schreie wie am Spieß und fluche. Der Fingernagel ist sofort blutrot unterlaufen. Na Prima das wird mich wohl länger begleiten als mir lieb ist…. (mehr in den Folgetagen). Für den Moment schient mir Andrea den Ringfinger am Kleinenfinger, damit ich nicht der Ringfinger etwas ruhiger gestellt ist. Mir schießt nur der Gedanken durch den Kopf, dass ein einarmiger Segler ziemlilch nutzlos an Bord ist. Was mich sehr ankotzt durch den Finger so ausgebremst zu werden. Jetzt bin ich froh das Andrea schon sehr fit ist mit dem Segeln und die Leinen Arbeit oder das Spibaum setzen auf dem Vordeck übernehmen kann und ich nur die „leichtere“ Arbeit übernehme.

Finger nach 2 Tagen nachdem schmerzhaften Quetschen

Ansonsten versuchen wir uns mit dem Angeln. Ein Fisch beißt und zieht so kraftvoll, das die Angelschnurr sich durch Plastik der der Spule brennt das wir nicht richtig Kurbeln können. Die Ursache liegt in nicht „sachgemäßer“ Leinenführung… Das Ergebnis ist, dass der Fisch sich nach kurzer Zeit vom Haken reißt. Kein Fisch und dafür einen Angelreparatur….

Die Nacht verwöhnt einen mit schönstem Mondschein, der alles so erhellt, dass man alles sehr gut sehen kann. Auf dem Meer ist man für solches Spektakel wohl empfänglicher, ermangelns anderer Ablenkungen. Einfach ein Genuss dies so wahrnehmen zu dürfen.

9. Seetag 13°37‘868“N / 40°33‘699“W

8.tes Etmal beträgt 124sm trotz Ringfinger squeeze und Angelversuche. Supi!

Ich bin aufgrund des schmerzenden Fingers ausgebremst, was mich mega ankotzt. Über Funk hat natürlich SY MATROOS von dem Vorfall mitbekommen und machen sich Gedanken wie sie mir helfen können. Dank dafür Jungs! Gut solche Freunde an der Seite zu wissen. Andrea ist Skipper of the day und meistert das prima. Sie setzt auf dem schaukelnden Vordeck prima den Spibaum. Marzemion dankt es mit 5,5kn bis 7kn unter Schmetterling. Sogar der Windpilot unterstützt uns heute hervorragend und hilft Marzemino auf der geplotteten Ideallinie zu halten. Spitze.

Jeden Morgen lesen wir auf dem Deck eine Vielzahl an toten fliegenden Fischen auf. In der Regel sind es so 5 bis 6 Stück, doch heute sind es sage und schreibe 18 Stück. Die Gangway zum Vorschiff heißt seitdem „Camino de la muerte“.

10. Seetag 13°32‘590“N / 42°36‘803“W

9.tes Etmal beträgt 121sm…. Ich brauche denk ich nicht mehr zu schreiben wie ich das finde 🙂

Um 5:30 Uhr weckt mich Andrea wegen eines Squalls. Auch SY MATROOS hat sich auf den Squall vorbereitet und vorbildlich gerefft, doch trotz wartens will der nicht kommen und wir kommen nochmal gut davon.

Wir versuchen unser Anglerglück und versuchen es mal wieder mit unserem weißen Fischatrappen Köder. Der hat auch nach einer ganzen Weile tatsächlich Erfolg und ein riesenbrocken von Fisch muss am Haken sein. Wir drillen hart und bekommen den Fisch bis auf 50m an Marzemino ran. Dann sehen wir einen ordentlich großen Thunfisch springen. Was für ein Fisch haben wir da am Haken. Der Drill ist hart. Harter Kampf, doch dann kommt einen große Welle und schiebt Marzemino nochmal ordentlich an. Für die Angelschnurr war das zuviel…der Fisch reißt sich los…

Wir wechseln den Köder und probieren unser Glück erneut. Ich lasse den pinken Tintenfisch Gummiköder ins Wasser. Kurze Zeit später hole ich ihn wieder ein und habe Sargossa Seegrass am Haken. Prima! Also wieder rein. Ich hab noch nicht mal richtig die Leine rausgelassen, da beißt ein Fisch an. Ich rufe freudig Andrea zu das ein gebissen hat. Sie denk ich würde sie verarschen. Ich kämpfe mit der Leine dem Zug vom Fisch an der Leine und muss Andrea überzeugen nicht zu simulieren, was schnell klappt…. Immer wenn ich ernst bin nimmt man mir das nicht ab, das gibt mir zu denken.

Nach einem ordentlichen Fight mit dem Fisch wird deutlich das wir einen riesen MahiMahi am Haken haben. Wir bekommen ihn mit dem Kescher an Bord und haben alles so gut es geht weggeräumt, damit die Leinen nicht tagelang nach Fisch riechen. Andrea bereitet dem Fisch schnell ein Ende. Der Fisch wiegt ca. 8 Kg. Das ist viel zu viel für 2 Personen. Also Funke ich SY MATROOS an und frage ob sie frischen MahiMahi wollen, was natürlich sofort mit einem freudigen „YES“ quittiert wird. Sam und Ich sprechen durch wie wir das Übergabemanvöer durch führen wollen. Sam hat eine wasserdichte Trommel die sie hinter SY MATROOS herziehen wollen, ich werde Marzemino langsam ranmotoren und Andrea fischt mit dem Bootshaken die Trommel raus und pakt den Fisch rein. Dann schmeißt sie die Trommel wieder ins Wasser und Sam zieht sie wieder rein.

Der MahiMahi, die Hälfte davon reichte für 2 Personen für 4 Tage

ca. 1,5h später ist der Fisch filetiert und SY MATROOS auch in Übergabe Reichweite. Wir führen das Manöver wie besprochen durch und es funktioniert ohne Problem. Wir sind so glücklich, das die Übergabe so gut geklappt hat. SY MATROOS hat für meinen Finger Medizin in die Trommel gepackt. Leider hat Andrea eine Spritze übersehen, so das wir das Manöver nochmal durchführen. Auch diesmal klappt es hervorragend. Weltklasse! Mitten auf dem Atlantik bei Wind und Welle schaffen wir es eine Leinenverbindung herzustellen ohne das die Leine in den Propeller kommt oder reißt oder oder oder. Hört sich alles nicht so wild an, aber wer die Chance hat das mal zu probieren wird die Euphorie und die Freude über so ein noch nie vorher geübtes Manöver verstehen und teilen können.

Der MahiMahi (Golddorade) schmeckt unglaublich gut. Die Hälfte haben wir der SY MATROOS geschenkt und dennoch haben wir die nächsten 4Tage nur Fisch auf dem Speiseplan….

11. Seetag 13°20‘701“N / 44°44‘560“W

10.Etmal beträgt 126sm…

Heute gelingt es mir tatsächlich mal meinen Finger zu schonen. Dies hatte die Tage vorher (MahiMahi fang) nicht so wirklich geklappt. Der Schmerz hat auch nachgelassen, dennoch versuche ich Ihn weiterhin zu schonen. Wenn wir in Grenada ankommen wird der Arztbesuch das erste sein was ich machen werde (Nach einem Anlegeschluck und einem ausgiebigen Bad im Meer).

Der MahiMahi schmeckt am zweiten Tag immer noch hervorragend. Ansonsten halten einen die Squalls in der Nacht beschäftigt. Ausguck halten etc…

Der Wind weht nach wievor mit 18 bis 20kn aus Nordost bis manchmal aus Südost. Marius und Tobias schicken mir auf Emailanfrage die Wettervorhersage für meine GPS Position. Dank Satelittentelefon funktioniert das gut, jedoch die Preise sind Astronomisch! An dieser Stelle ein dickes Danke schön an meine fleißigen Helfer an Land! Danke Euch für Eure Unterstützung während der Überfahrt und auch schon davor!

12. Seetag 13°25‘007“N / 46°50‘877“W

11. Etmal beträgt 125sm.

Tatsächlich trifft und jetzt der erste richtige Squall mit bis zu 33kn Wind in der Spitze. Zum Glück erleben wir diesen bei Tageslicht, dennoch ein beeindruckendes Erlebnis. Die Kraft die in den Squalls steckt ist nicht zu vernachlässigen. Der Wind kann sich innerhalb von einer Sekunde verdoppeln. Daher ist rechtzeitiges Reffen sehr wichtig um nicht überrascht zu werden. Heute habe ich von Marius via Email über Satelittentelefon die ZYGrib File zugeschickt bekommen. Das war Weltklasse, da ZYGrib ohne Online zu sein einem die Wettervorhersage für ein bestimmtes Gebiet und bestimmten Vorhersagehorizont wiedergibt. Danke Dir Marius!

Heute haben wir mal wieder die Seite vom Whiskerpole gewechselt. Das richtige Setting zu finden ist nicht so wirklich einfach. Heute sind wir sehr zu finden.

Der Ringfinger sieht immer noch nicht besser aus und die Schwellung ist noch nicht zurückgegangen. Nach mehrfachen hin und her überlegen und mehrfachen kontaktieren von Maralynn die als Krankenschwester über solides medizinisches Wissen verfügt vertraue ich meinen Finger Andrea an. Sie sticht mit einer Nadel durch den Nagel des Fingers. Dazu erhitzt Andrea die Nadel und drückt diese in den Nagel. Beim 4.ten wiederholen ist der Nagel durch und eine kleine Menge Blut kommt durch die Öffnung. Leider haben wir das Loch etwas zu spät gestochen. Es hat sich schon Gewebsflüssigkeit am Nagelansatz gebildet. Dennoch möchte ich jetzt so schnell wie möglich in Grenada anzukommen um den Finger von einem Arzt anschauen zu lassen. Danke Andrea für die „mini-OP“! Sehr gut gemacht auch wenn ich nicht unbedingt auf eine Wiederholung scharf bin.

Da des öfteren die Jungs der SY MATROOS uns Nachts davon Segeln, da sie keinen funktionierenden Autopiloten oder Windfahne haben mit der Hand durchsteuern müssen und dadurch flotter segeln können bieten wir Ihnen an, dass Sie nicht immer auf uns warten müssen und sich nicht verpflichtet dazu fühlen. Wir sind sehr froh das sie gerne auf uns Warten und sich sehr glücklich schätzen uns an Ihrer Seite zu wissen. Dies können wir nur so zurückgeben. Es ist toll dieses Abenteuer mit euch teilen zu dürfen.

Heute Nacht gibt Marzemino richtig Gas. Sie scheint mich bei meinem Wunsch unterstützen zu wollen, beim Wunsch schnell anzukommen.

13. Seetag 13°12‘521“N / 49°03‘409“W

Das 12.Etmal beträgt 131sm. Wahnsinn! Wir haben Glück mit dem Wetter sonst wären so Etmal nicht möglich. Das ist mir bewusst, umso mehr weiß ich das zu schätzen. Es war zwar sehr schaukelig heute Nacht, aber Marzemino ist durch die Nacht gerast als gäbe es kein morgen.

Der heutige Tag ist recht gammelig es gibt nichts an der Segelstellung zu ändern als darf diese so bleiben. Wir geniesen ein Hörbuch, Krimi, das ich von Youtube runtergeladen hatte.

Es war nur die Ruhe vor dem Sturm. SY MATROOS bekommt nur wenige Meter von uns entfernt einen Squall richtig heftig ab (ihrem Windmesser nsch waren es in Böen bis zu 40kn Wind). Wir haben Glück und sind doch nur am Rand obwohl nur einige hundert Meter entfernt von den Jungs. Wir kriegen nur den Winddreher ab, auf dessen Folge hin Marzemino ihren Kurs von West nach Nord abändert, da die Windfahne nur nach Windrichtung steuert nicht nach Kurs. Somit kommen wir innerhalb von 30min ca. 2m nach Nord vom Kurs ab. Wir steuern uns manuel an die Kurslinie ran, da der Windpilot den Kurs nicht gut genug hölt und sonst das Vorsegel ständig back schlagen lässt.

Um 12 Uhr am nächsten Tag meldet sich SY MATROOS, die Stimmung hat dort ihren Tiefpunkt erreicht. Die Kojen sind durch den Squall nass geworden. Wir bieten unsere Hilfe an falls wir irgendetwas machen können, was uns leider nicht wirklich möglich ist.

In Folge des starken Windes und der damit sich auf gebauten Welle fliegt die Pfanne vom Herd. So macht Andrea das kochen richtig Spaß. 😉

Ansonsten haben wir die Bilge gereinigt, den Kühlschrank vom Kodenswasser befreit und Andrea hat die Moskitonetze für die Luken gebastelt bzw genäht. Tolle Arbeit und passt genau auf die Luken. Danke Andrea für die mühevolle stundenfressende Arbeit an den Moskitonetzen.

14. Seetag 13°06‘657“N / 51°20‘508“W

Das 13. Etmal beträgt 135sm und ist bis dato mein persönlicher Rekord innerhalb von 24h. Marzemino ist wirklich die Wellen runtergesurft und hat sich gesputet.

Heute erwischt uns ein Squall kalt und knall mit 32kn Wind in die ausgebaumte Genau. Wir wollen reffen, doch irgendetwas klemmt. Also bleibt mir nichts anderes übrig als mit Lifebelt gesichert in der Lifeline eingepikt auf der sich stark krängenden Marzemino aufs Vorschiff zu gehen um die Rollreffanlage der Genau anzuschauen. Ich befürchte, dass sich irgendetwas an der Trommel verklemmt hat. Ein kurzer Blick genügt, es scheint alles in Ordnung zu sein. Also ziehe ich direkt an der Reffleine an der Trommel. Sie dreht sich leicht und rollt die Genau ein. Da die Reffleine hinter den Rehlingsfüssen ins Cockpit umgelenkt ist, entsteht dort Reibung. Diese Reibung führt dazu, das bei zu starkem Wind wir hinten anscheinend nicht mehr reffen können. Naja halb so wild, hat ja geklappt. Nur bin ich klitsch nass.

Wir haben nach diesem Ereignis beschlossen, dass Wachsystem wieder auf alle 2 bis 3 Stunden im Wechsel durchzuführen, je nach Verfassung des Wachschiebers.

Der Wind weht jetzt seit 2 Tage aus Südost. Kein größeres Problem eigentlich, sagt jedoch der Wetterbericht den wir über Satelittentelefon abrufen eigentlich Nordostwind vorher. Leider steuert der Windpilot die raumen Windkurse zusehends schlechter… Ich versuche mich im Steuerresultat verbessern… mit mässigem Erfolg…

15. Seetag 12°58‘877“N / 53°29‘199“ W

Das 14.Etmal beträgt 129sm.

Ich probier mich immer noch am Windpiloten der mitlerweile den Spitznamen Mr. Vain bekommen hat, da es sehr vergebens zu sein scheint was man optimiert….

Mike von SY MATROOS hatte uns ein Rätsel auf gegeben das wir bis zur Ankunft lösen können. Andrea ist auf die Lösung gekommen. Respekt für die Knobelausdauer!

„Mid Atlantic Teaser“

There is a sealed room with no windows. There is a light in the room. Outside are 3 switches. One of the switches turns the light on. The other 2 switches do nothing. Initially all switches are off. No light escapes the room.

You can turn the switches on and off as many times as you like, in any combination.

You can only enter the room once. After entering the room you have to tell me which switch turns the light on.

Which switch turns on the light?“

Wir hatten dieses Rätsel ohne Internet zu lösen, was uns auf dem Atlantik nicht schwer fiel, da wir eh keins zur Verfügung hatten. Wer von euch bekommt das Rätsel gelöst? Gerne eure Lösung an mich mailen. 😉

Wir änderen unseren Segelplan auf Halbwind, da wir zuweit nach Norden abgekommen sind. Es ist eine schöne schnelle Fahrt und das Halbwind segeln macht Freude, es fühlt sich einfach aktiver an als die Kurse mit raumen Wind (vor dem Wind). Zurück auf unserer geplotteten Ideallinie setzen wir wieder den Whiskerpole. Dabei kommt es zu Pleiten, Pech und Pannen.

Erst löst sich der Spibaum aus seiner Verankerung an der Mastschiene und fällt halb von Bord, anschließend vertörne ich die Vorschot im Schnabel des Spibaums so, dass sich die Genau nicht setzen lässt, als noch mal alles abbauen und alles neusetzen. Wieder alles richtig aufgebaut, rauscht die Preventerleine aus, die den Spibaum vom vorne Überschlagen zurückhält aus und zieht sich ca. 2m von Marzemino entfernt durchs Wasser. Am Ende hat alles geklappt, bloß braucht ich nicht jede Nacht soviel Aufregung.

Nachdem Frühstück wollen wir das Etmal retten und das Großsegel setzen. Gesagt getan…

Ansonsten gibt es noch die Weisheit des Tages: „Die Löcher sind größer als das Netz!“

16. Seetag 12°42‘833“N / 55°27‘166“W

Das 15. Etmal beträgt 122sm.

Wir werden von einem dicken Squall getroffen mit sintflutartigen Regenfällen. Faszinierend dabei ist, dass der Regen fast waagrecht durch die Luft weht und so hart auf die Haut aufschlägt, dass es wie kleine Nadelstiche anfühlt. Der Wind dreht auf Süd und treibt uns somit innerhalb von einer Stunde 5,4 sm nach Norden von unserer Kurslinie ab. Der starke Regen glättet die Wellen. Es sieht sehr bizarr aus. So sehen die Wellen aus wie ein Schneesturm in Alaska (zumindest sieht es so in den Dokumentationen aus die ich im Fernsehen gesehen habe aus). Eine Entschädigung dafür das wir bis auf die Knochen nass im Cockpit den Squall aussitzen. Der Squall dehnt sich zu einer Wetterfront wohl aus, zumindestens ist nicht wie gewöhnlich alles nach spätestens 1h vorbei, sondern es zieht sich über Stunden hin. Aber immerhin mal wieder geduscht!

Wir beschließen den Motor an zuschmeißen und den Autopiloten steuern zu lassen, so dass wir nicht im Cockpit länger sitzen müssen. Wir legen uns schlafen und machen alle 30 min einen Check das wir nicht irgendetwas übersehen. Doch auf einmal prallen zwei Wellen auf Marzemino. Mich iritiert das sofort, da wir eigentlich vor der Welle ablaufen, wie kann es sei dass zwei Wellen frontal / seitlich auf Marzemino treffen? Ich stürze ins Cockpit und die Ursache ist nicht zu überhören. Der Autopilot macht komische Geräusche…. Ich schalte ihn an und aus, doch die nicht normalen Geräusche bleiben. Ich erinnere mich sofort an das Erlebnis vor Cascais als der Autopilot schon einmal zum Garantiefall wurde. Klasse, so stellt man sich doch neu gekaufte Teile vor und von einem der führenden Anbieter wie RAYMARINE erwartet man dann doch etwas mehr. Es nervt, wenn eigentlich für solide befundene Teile sich als Wackelkandidaten entpuppen. Vor allem bei einem für Einhandsegler fast schon zur Sicherheitsausrüstung zählendem Teil wie dem Autopiloten…

Naja jetzt kommt eben Mr. Vain seine Stunde zu beweisen, dass er mehr ist als Mr. Vain. Zum Glück ist genug Wind da, dass wir Ihn gleich einstellen und arbeiten lassen können. Leider nur mit dem alt bekannten Erfolg, nicht perfekt, nicht gut sondern einfach nur ausreichend mit Backschlagendem Segel…

17. Seetag 12°31‘524“N / 57°17‘980“ W

Das 16. Etmal beträgt 117 sm.

Wir setzen zum ersten Mal den Spibaum ohne Steuerhilfe vom Autopiloten. Es klappt ist eben nur sehr wellig. Anschließend stellen wir die Butterfly / Schmetterlingssegelplan her, der üblich ist für die Passatwindroute bzw. das vor dem Windsegeln bei mäßigem Wind.

In der Nacht werden wir von 3 Squalls überrollt. Ich bin alleine in der Nachtwache und habe damit kein Regen in den Saloon kommt den Niedergang zu gemacht. Auch alle anderen Fenster sind zu.

Es kommt eine Böe mit 37kn, das ist zuviel für die Voll ausgerollte Genau. Marzemino wirft sich auf die Seite und schießt in den Wind. Die Genau schlägt sofort Back mit einem riesen Wumms. Das arme Rigg… hoffentlich halten die Wanten und Stagen das aus. Ich schmeiße die Vorschotlos und versuche zu reffen. Genau jetzt wäre der Autopilot Gold wert… und ich verfluche den Radstuerungsautopiloten von RAYMARINE. Ich hoffe das Andrea von dem Krach und der Krängung wacht wird. Leider nicht. Schreien und Rufen bei geschlossenem Niedergang zwecklos. Mühevoll bekomme ich die Situation in den Griff. Mit minimaler Genau geht es unter Handsteuerung weiter. Im Dunkeln und bei Starkem Regen ist es schwierig überhaupt den Kurs zu halten. Zum Glück kommt jetzt Andera hoch. Der Wind nimmt wieder zu. Ich sage zu Andrea, ich glaub wir müssen jetzt reffen. Kaum sind wir an der Vorschot und der Reffleine knallt wieder ein Böe rein und lässt Marzemino anluven so dass das Segel Back schlägt. Wir waren sprich wörtlich 5 sekunden zu langsam. Wir reffen die Genau komplett weg und schmeißen den Motor an. Es regnet in Strömen und wie zwei nasse Hunde sitzen wir im Cockpit und versuchen nach Kompass zu steuern. Habe ich doch keinen Plotter am Steuerstand um den tatsächlichen Kurs zu überprüfen. Wir wollen nach Norden auf die Kurslinie zurück. Doch fahren wir tatsächlich nur gen Westen obwohl wir Kurs Nord haben. So Stark ist der Versatz durch Wind und Strömung…

Ich habe die Nase voll. Ich bin übernächtigt da ich mitlerweile seit 6h Wach bin und seit 3H gegen die Squalls ankämpfe und 2h schlaf zuwenig fahren. Ich beschließe SY MATROOS anzufunken so lang ich ihre Antwort noch empfangen kann und teilen ihnen mit, dass wir „Vor Top und Takel“ gehen und uns bis zum Sonnenaufgang hinlegen und schlafen. Vielleicht war das nicht die mutigste Entscheidung, aber ich brauch den Schlaf. So ist diese Entscheidung für mich Gold richtig. Wir schlafen den Rest vom Squal aus.

Am nächsten Morgen ist der Wind immer noch recht kräftig aber nicht mehr so stark wie vorher. Wir schmeißen den Motor an und motoren auf die Ideallinie zurück. Funkkontakt mit der SY MATROOS ergibt, dass wir südlich von Ihnen abgetrieben sind. Sie haben schon Kurs auf uns genommen, da Sie unser AIS Signal sehen können. Wir treffen uns. Ich bin noch etwas beeindruckt vom Starkwind erlebnis der letzten nach das ich mich erst wieder langsam an Segeln rantaste.. Nicht gleich die ganze Genau raus sondern Stück für Stück schauen wie es sich entwickelt.

Im Ergebnis hat uns die Squallserie 7,5nm von unserem Kurs abgetrieben.

18. Seetag 12°08‘735“N / 59°13‘745“W

Das 17.Etmal beträgt trotz 2h schlafen unter Top und Takel 120sm.

Bis Grenada sind es noch 115sm. Es wird wohl der letzte Tag unserer Atlantiküberfahrt sein. Die Stimmung steigt, nach dem gesterigen Erlebnis sehr. Wir wollen ankommen und haben mitlerweile Genau und Großsegel rausgeholt und rauschen mit Schmetterlingsbesegelung Grenada entgegen.

Wir segeln in die Nacht. Wir haben uns die angewöhnt die Nachtwachen mit Kopfhören in den Ohren Musik zu hören und dabei mitzusingen. Hier draußen stören wir ja niemanden. Bzw ich störe niemanden…

Ich sauge nochmal die Eindrücke der Nachtfahrt auf: Den Sternenhimmel, Die Welle, den Wind, die Dunkelheit der Nacht, das gurgeln der Heckwelle von Marzemino…

Andrea steuert heute Nacht mit Hand, sie will es nochmal richtig wissen.

Sonnenuntergang auf dem Atlantik

Selbst als wir 30sm von Grenada entfernt sind sehen wir es immer noch nicht. Es ist zu dunstig. Wir haben eine schönen VHF Runde mit den Jungs von SY MATROOS. Sie singen uns ein Weihnachtslied. Wir kontern das mit Ukulele und Gesang, What shall we do with a drunken Matroos early in the morning… Generell ist es sehr emotional und schön die eindrücke der letzten 2,5 Wochen die wir zusammen teilen durften zu verarbeiten. Wir lösen nach Sichtkontakt mit Grenada unsere Wette auf, wer richtig lag mit der Anzahl an „gesichteten“ Schiffen auf. Es ist Sam der das frei Essen gewonnen hat.

Um 17Uhr UTC haben wir in Prickley Bay Marina festgemacht.

Immigration, Customs clearance und dann treffen wir uns zum wohlverdienten Sekt im Cockpit mit SY MATROOS. Anschließend geht es zum nahegelegenen Strand zum Bad in der Karibik wie gut das nach 18Tagen auf See doch tut. Leider war die See zu welligen für ein Bad im Meer während der Überfahrt.

Andrea, Nils, Sam, Matt und Mike beim verdienten Anlegerschluck in Grenada

Das 18.Etmal bertägt 141sm und ist der neue Rekord für SY MARZEMINO. Was für ein schöner Abschluss.

Fazit / Eindrücke:

Cape Verde – Grenada Luftlinie: 2.156sm

Tatsächliche gesegelte Distanz: 2.278sm

Dauer: 18 Tage und 3 Stunden (435h)

Durchschnittsgeschwindigkeit die Stunde: 5,23kn

Durchschnitts-Etmal: 125sm

Rekordetmal: 141sm Schlechtestes Etmal 117sm

Highlights:

– MahiMahi-Fang und anschließendes Übergabe Manöver an SY MATROOS

– Race mit SY MATROOS

– Der Sternenhimmel nachts

Tiefpunkt:

– Gequetschter Fingernagel

– Squall am Vorletzten Tag, der hatte es wirklich in sich

– kaputter elektrischer Radsteuer Autopilot von RAYMARINE

atlantik überquert

18tage und 2 Stunden dann waren 2260sm im kiel wasser. es war einne tolle Erfahrung bald mehr… hoffe ich. wir haben grenada am 16 dez erreicht. jetzt wird erstmal gechillt.

bis bald nils

Kap Verden

Kurzer Zwischenstop auf den KapVerden. Gab kleinere Reparaturen die sind die letzten beiden Tage erledigt worden. dazu später mehr hier. Morgen geht es weiter in die Karibik. Also nochmal ca 20 bis 25 Tage funkstille hier aber das ist dann im normalen bereich.

Bis Bald

nils

Der Atlantik ruft

Morgen geht es mal wieder für etwas längere Zeit aufs Meer. Das AIS wird dann auch relativ schnell nicht mehr ins Internet übergragen werden können. Von daher wenn ihr nichts seht, ALLES GUT.

Es geht Richtung KapVerden (von morgen an ca. 8 bis 10 Tage) sollte die Lust so gross sein der Wind gut und Marzemino voll segeltauglich kann es sein das kurz vor den Kapverden der Kurs gen Westen gen Karibik gelegt wird (von morgen an ca 25 bis 30 Tag alles abhängig vom Wind)

Wasser und Proviant ist für ca.50Tage an Bord, selbst eine Apokalypse kann somit überstand werden. Dazu bilden wir mit SY MATROOS eine Flottile, was sehr gut passt da SY MATROOS auch 31fuss misst und gleich schnell sein wird.



Bis bald von wo auch immer

Nils

Überfahrt zu den Kanaren – 5 Tage Atlantik

07. Okt 2019 / 1.ter Seetag / 37°02‘005“N 08°17‘404“W

Wir bezahlen die Marina Gebühr und holen nocheinmal den Wetterbericht ein, dann geht es zurück zu Marzemino. Die Zeit für kurzes Lebewohl und „Auf Wiedersehen“ mit dem kolubianischen Päarchen von SY Zirconium muss sein und dann wird abgelegt. Bei keinem Wind geht es unter spätsommerlicher Hitze aus dem Hafen von Albufeira. Das Meer liegt flach da. Ein Bllick zurück auf die schöne Algarveküste und wir legen den Kurs 220° an, Kurs Lanzarote. Der Motor läuft bei 1.600U/Min um Diesel zusparen. Es sind 2 Tage mit Wind von 5BFT aus Nordost vorhergesagt, der dritte Tag soll dann mit 3 bis 4 BFT aus Nordost wehen und Tag 4 und 5 soll dann Flaute sein ehe der Wind auf Südwest drehen soll. Bevor der Wind auf Südwest dreht möchte ich Lanzarote erreicht haben. Daher wird der Diesel noch gebraucht werden. Im Zweifel muss wirklich 2 Tage am Stück gemotort werden. Der Tank ist fast voll (82 von 90 Liter sind meiner Berechnung nach drinnen) und die beiden Kanister a 20 Liter sind mit je 21 Liter etwas übervoll gefüllt.

So geht es die ersten 3 Stunden unter motor auf Idealkurs gen Lanzarote. Da frischt der Wind auf und weht mit 3Bft aus NW. Segel raus und Marzemino schiebt sich lautlos mit 3,5kn Fahrt über Grund durchs Wasser. Ich stelle den Windpiloten an. Er steuert zuverlässig den Kurs und pendelt um den eingestellten Kurs.

leichter Wind volle Segel

Am Horizont sind genau vor uns 4 Fischerboote zusehen, die mehr oder weniger auf der Stelle stehen. Wir weichen Ihnen mit einer Wende aus und 1h Stunde später wenden wir wieder um auf den gewünschten Kurs von ca. 220° zurückzukommen. Gegen 18Uhr frischt der Wind auf 4 BFT auf, so dass es mit einer schönen rausche Fahrt von 5kn über Grund durchs Wasser geht. Die Sonne verabschiedet sich mit einem herrlichen Farbenschauspiel. Insgesamt liegen nach den ersten 12h 51,5sm im Kielwasser. Wenn wir den Schnitt halten sollten die knapp 570sm nach Lanzarote in 5 Tagen zu schaffen sein.

Für die Nacht steht uns noch die Querung der von der Großschifffahrt viel benutzten Wasserstrasse durch die Meerenge von Gibraltar. Das AIS gibt ein schönes Bild von der Vielzahl an Frachtern die Unterwegs sind.

Kein Wind und viel Verkehr im Zugang zur Straße von Gibraltar

In der Nacht frischt der Wind weiter auf und erreicht konstant 5Bft. Jetzt haben wir zu viel Tuch oben. Großsegel reffen ist angesagt. Wir fahren einen Am Wind Kurs damit das Groß ausgebaumt werden kann und das Segel „killt“. Es ist keine Winddruck somit im Segel, ich will jetzt die Reffleine ziehen doch es geht nichts. Das Großsegel lässt sich nicht reffen. Ich gehe aufs Deck zum Mast vor, es gibt schöneres als bei 1,5Meter hoher Welle im Dunkeln aus dem Cockpit zu krabbeln. Ich versuche mit der Winsch am Mast die Reffleine zu ziehen. Es geht nur 1 bis 2 Umdrehungen, dann ist der Druck zu hoch. Scheiße hat sich da was verklemmt? Ich gehe zurück ins Cockpit und bereite mich gedanklich drauf vor das Vorsegel wegzurollen und nur unter Groß durch die Nacht zu segeln. Würde auch gehen, wäre aber nicht meine bevorzugte Varinate, da die Segeldruckpunkt Verteilung des Bootes weiter Achterlich wäre. Das ist bei Raumwindkursen etwas schwieriger mit Marzemino zu steuern als nur mit Vorsegel bei Raumwindkursen…. Ich schaue mir nochmal alle Leinen im Cockpit an… da fällt es mir wie Schuppen von den Augen. Ich hatte im Dunkeln die falsche Klampe geöffnet. Somit war die Klampe für den Unterliekstrecken (der zieht das Großsegel aus dem Mast raus und hält das Schothorn des Großsegelns am Baum in der Position). Somit habe ich beim ziehen der Reffleine gegen den festgezogenen Unterlieksstrecker gearbeitet….. Also Klampe Unterliekstrecker auf und Großsegel reffen. Nachdem das Groß im Mast verschwunden ist, atme ich erleichtert durch. Den Stress im Dunkeln muss man nicht haben.

Wir wechseln uns mit der Nachtwache im 2Stunden Rhythmus ab. Der Windpilot steuert brav seinen Kurs während Marzemino nur unter Genua vor der Welle her segelt. Unten im Salon schaukelt alles. Hinzukommt, dass die Holzwand der Achterkabine im Schaukeln knarzt. Diese Geräuschkulisse und das Schaukeln machen mir das Einschlafen sehr schwer. So das ich die erste Nachtwache nur döse. Irgendwann in der Nacht bin ich dann doch Hundemüde, dass ich trotz des Schaukeln und Knarzens einschlafe.

In der Nacht sehen wir 2 große Frachter, die jedoch im Abstand von 2SM bzw. 4SM uns weit entfernt passieren.

08. Oktober 2019 / 2.ter Seetag / 35°34‘306“N / 09°18‘048“W

Das erste Etmal beträgt 108sm. Damit können wir zufrieden sein. Der Wind hat so aufgefrischt, dass der bisher sehr faule Windgenerator auch anfängt sich zu drehen und Strom zu erzeugen.

Blick aus der Nasszelle

Als es morgens hell wird, bläst es immer noch 5 BFT und in Böen mit 6 Bft. Die Welle hat eine sehr beeindruckende Höhe erreicht. Es ist schwer die Welle zu schätzen, Windy hat in der Vorhersage 3,5Meter hohe Welle vorhergesagt. Ich denke das könnte stimmen. Leider kommt die Höhe der Wellen auf Fotos nicht so rüber. Entweder ist man oben auf der Welle und die Tiefe geht im Meeresblau auf den Fotos verloren oder man ist eben im Wellental und das gleiche Spiel mit dem heran rauschenden Wellenberg. Es ist faszinierend dem Schauspiel im Wechsel von 12 Sekunden zu zusehen. Marzemino saust die Welle herab in Wellental ehe von hinten die nächste Wasserwand ankommt und sanft das Heck anhebt. Oben auf dem Wellenberg kann man für eine bis zwei Sekunden die „Aussicht“ auf den vom Wind und Wellen aufgewühlten Atlantik genießen. Anfänglich haben die Wellen was bedrohliches und Furcht einflößendes. Es dauert bis ich mich an das Spektakel gewöhnen kann. Ich kann dem Schauspiel Stunden lang zusehen. Faszinierend, beeindruckend und furchterregend zugleich.

Auch die Farbe vom Meer hat ein „Stahlblau“ erreicht, dass ich bisher nur vom Mittelmeer her kannte. An dieser tiefen dunkeln Blaufarbe kann ich mich nicht satt sehen. Lediglich das Schaukeln und das Knarzen strengen langsam an. Auch ist das Essen nicht so einfach und ich bin mehr als froh darüber, dass wir für 5 Tage vorgekocht haben.

27,6kn achterlicher Wind und 6,3kn Geschwindigkeit

So geht es in die 2te Nacht. Der Wind frischt weiter auf und hat konstant 6 Bft. Der Windpilot steuert nach wie vor gut den Kurs. Nur wenn eine Welle den Rumpf von Marzemion trifft, bringt es Sie vom Kurs ab. Der Windpilot braucht nur eine ganze Weile ehe er wieder zurück auf dem eigentlichen Kurs ist. Ich vermute, dass dies an der nicht optimale „Leinenführung“ liegt.

09. Oktober 2019 / 3.ter Seetag / 33°58‘873“N / 10°30‘793“W

Das zweite Etmal beträgt 119sm, dass sind im Schnitt 4,9kn auf 24H Das ist ein wirklich starker Wert für Marzemino rein unter Genua. Die theorethische Rumpfgeschwindigkeit beträgt 6,97kn. Die hohen Wellen und das ständige Schaukeln haben ihren Tribut gefordert. Der Salon sieht aus wie ein Schlachtfeld.

Es kümmere mich um den Windpiloten und versuche die Leinenführung zu optimieren. Dies gelingt mir. Der Windpilot überträgt jetzt seine Änderungen an der Steuerung schneller auf das Steuerrad. Marzemino schlägt nicht mehr so vor den Wellen quer wie vorher. So macht es Spaß! Das Vertrauen in den Windpiloten steigt, auch wenn nach wie vor ein stetiges optimieren ist…

Den Rest des Tages verbringen wir abwechselnd mit schlafen und „wachen“. Ansonsten genieße ich den Atlantik, die Welle und die Farbe des Meeres. Auch wenn ich gestehen muss, dass es merkwürdig und auch etwas komisches Gefühl ist „soweit“ vom Land entfernt zu sein. Das Schaukeln und Knarzen ist am 3.ten wirklich anstrengend.

Sundowner

So geht es in die dritte Nacht. Nachwievor fasziniert mich der Sternenhimmel sehr. Die Abwesenheit von Lichtverschmutzung gibt das Schauspiel frei. So kann man die Nachtwache sich deutlich versüßen.

10 Oktober 2019 / 4.ter Seetag / 32°09‘188“N / 11°35‘216“W

Am morgen fängt der Wind wie vorhergesagt nach zu lassen. Plötzlich fällt der Windmesser aus. Das Problem trat dass erste Mal auf dem Weg von Helgoland nach DenHelder auf und sonst auch noch ein weiteres mal. Es hilft ein Neustarten der Bordelektrik. Dies werde ich auch machen, jedoch wollte ich aus Dokumentationsgründen noch 11Uhr abwarten, damit es leichter ist die Strecken und Distanzen für das Etmal auszurechnen. Gesagt getan. Anschließend funktioniert der Windmesser wieder wie gewohnt. Lästig ist das schon…..

Es ist schwül, warm und bedeckt.

Butterfly

Wo wir schon bei Etmal sind, der 3.te Tag ein Etmal von 118,6sm hervor. Auch dieser Wert stimmt mich glücklich. Gegen späten Vormittag baumen wir das Vorsegel aus und probieren und im nachlassenden Wind mit der Passatwindsegelstellung auch „Butterfly“ genannt. Zum Glück hat die Welle bei nachlassendem Wind auch deutlich an Höhe verloren und somit sind die Arbeiten auf dem Vordeck etwas leichter. Dennoch ist es ein ganz schöner Aufwand ehe wir den Spibaum so ausgebaumt bekommen, dass er schön steht. Das benötigt 3 Anläufe…. Übung macht den Meister.

Gegen Abend so ca. 18Uhr ist der Wind so schwach geworden, dass ich entschließe die Segel zu bergen und den Jockel ran zu lassen. So geht es unter Motor in die Nacht.

Die letzten beiden Tage haben wir kein Schiff mehr gesehen. In der Nachtwache kämpfe ich stark mit der Müdigkeit. Es zeiht mir förmlich die Augen zu. Bin daher immer froh wenn mich Andrea nach 2h wieder ablöst und ich 2h schlaf genießen kann.

11. Oktober 2019 / 5.ter Seetag / 30°44‘467“N / 12°25‘968“W

Das 4te. Etmal beträgt 96,7sm. Das liegt am schwächelnden Wind des Vortages. Den Tag über verbringen wir mit Film schauen am Netbook und gammeln rum. Dabei wird alle 20min kurz Pause gemacht und die Lage „draußen“ gecheckt. Gegen Spätnachmittag will ich das weiter beruhigte Meer nutzen um Diesel aus dem Kanister in den Tank umzufüllen. Damit dies keine Umweltferkelei wird, benutzen ich einen dafür gekaufte Handpumpe. Das klappt prima und der Diesel kommt in den Tank und nichts geht daneben. (Bitte jetzt ein „Like“ klicken 😉 )

Anschließend nutzen wir den „Stop“ noch zu einem Bad im Atlantik. Man muss den Kopf ausschalten beim rein springen und nicht dran denken, dass es 2.500 Meter tief hier ist. Aber genau da ist auch das „nächste“ Land….

Das Meer hat mittlerweile 23° und wird sogar von mir als Badebar eingestuft.

Nach dem Sonnenuntergang geht es in die Nacht.

12. Oktober 2019 (Samstag / 6.ter Seetag / 29°12‘044“N / 13°19‘936“W

Am morgen ist in der Ferne Lanzarote zu sehen. Es ist warm, keine Wolke am Himmel. Delfin kommen zu Marzemino. Andrea möchte mit den Delfinen schwimmen. Also halte ich Marzemino an und Andrea geht mit Actioncam mit Delfinen Schwimmen. Leider war der Akku nicht ganz voll, jedoch ein kleiner Clip kam bei rum.

https://www.dropbox.com/s/iikqne7cikwmsqr/Delfine2-1.m4v?dl=0

Das 5.te Etmal beträgt 138,8sm. Da hat nicht nur der Jockel gut geschoben, sondern auch der Atlantik.

Anschließend geht es nach Puerto del Carmen. Auf unsere Funkkontakte reagiert niemand. Also fahren wir ein. Dort sprechen wir einen Gastlieger an, der uns mitteilt, dass der Hafenmeister am Wochenende nicht da ist und nur der Sicherheitsdienst für fragen zu Verfügung steht. Dieser sei gerade mit dem Boot draußen um zu baden. Wir bekommen seine Telefonnummer. Der Mann vom Sicherheitsdienst weißt uns ab und sagt wir sollen in die wenige Meilen entfernte Marina Puerto Calero fahren. Dort ist das Einchecken einwenig umständlich. Erst sollen wir am Tanksteg anlegen und warten. Diese Wartezeit nutzen wir um den Tank und den Kanister wieder aufzufüllen. Bei 1,02 EUR je Liter Diesel zusätzlich sehr reizvoll nach 1,40 EUR in Portugal. Dann werden wir zu unserem Liegeplatz geleitet. Dieser hat einen sehr kurzen Fingersteg, was das Anlegen etwas komplizierter macht…. Aber alles ohne Kleinholz.

Der Mitarbeiter der uns im Hafenmeisterbüro eincheckt ist sehr freundlich und gibt viele Tipps zu Lanzarote…. Jedoch so lange habe ich noch nie beim Einchecken benötigt…

Anschließend steht Wäsche Waschen und aufhängen auf dem Programm und eine Pizza in der Marina ansässigen Pizzaria.

Fazit zur Überfahrt nach Lanzarote.

Insgesamt liegen 581,1sm im Kielwasser davon 361,2sm unter Segeln. Endlich mal einen Anteil von mehr als 50% unter Segeln.

Eine Erfahrung war die Atlantikwelle mit 3,5m Höhe, und das meine ich nicht nur als Segler.

Faszinierend war auch der Sternenhimmel. Generell ist war die Überfahrt schön, jedoch sehr anstrengend mit wenig Schlaf und das ständige Schaukeln und Knarzen kann nervtötend sein.

Es macht auf jeden Fall Lust auf Mee(h)r Hochseesegeln.

Jetzt aber erstmal Erholen auf Lanzarote.

Bis bald

Nils

Hafentag in Albufeira oder Vorbereiten auf den großen Sprung zu den Kanaren

05. bis 06. Okt. 2019 – 37°04‘448N / 08°15‘589“W

Wir treffen ein kolumbianisches Päarchen mit Ihrer SY Zirconium im Hafen von Albufeira. Schnell kommen wir mit Ihnen ins Gespräch. Wir verabreden uns für einen Trink am Abend. Wir gehen morgens in die Altstadt von Albufeira welche wirklich schön in einem „Talkessel“ liegt. Am Nachmittag steht ein kurzer Spaziergang an der Küstenlinie an. Diese ist wild und sehr schön….

Zentrum von Albufeira

Am nächsten Tag steht ein groß Einkauf an für den es eine 30minütige Kickboardtour zum Supermarkt bedarf (One Way). Anschließend verstauen, Vorkochen, Wasser bunkern und Marzemino fit machen für 5Tage bzw. 555SM zu den Kanaren. Die Wettervorhersage sieht gut aus. Die ersten beiden Tage starker Wind aus Norde und der 3. Tag dann mäßiger Wind weiter abnehmend und die folgenden Tage flautig… Das sollte machbar sein…

Auf gehts! Der nächste Meilestone steht an. 5 Tage Wasser, Kein Land. Ich bin aufgeregt, Vorfreude macht sich breit, aber auch Respekt vor dem, was der Atlantik der Marzemino, Andrea und mir abverlangen wird. Nach der Biskayaüberquerung ist dies die zweite große Prüfung….

Küste bei Albufeira

Morgen geht es los!

Bis Bald

Nils

Algarve – von Lagos nach Albufeira

04. Okt. 2019 37°06‘579N / 08°40‘482“W

Nachdem wir uns von Thomas verabschiedet haben. Legen wir gegen 10.30 Uhr ab. Es steht das Testen des Autopiloten an. Sollte dieser nicht wie gewünscht funktionieren geht es zurück in die Marina. Kaum aus der Hafeneinfahrt raus wird unter Motor der Autopilot getestet. Dieser funktioniert einwandfrei. Erleichterung macht sich in mir breit. Ohne einen funktionstüchtigen Autopilot als Backup für die Windfahne möchte ich die Überfahrt auf die Kanaren nicht antreten.

Wir ziehen die Segel raus. Es ist sehr leichtwindig , es wehen 2 bis 3 BFT aus Westen. So kommt es das ich die Muse habe ENDLICH mal die Passatwindbesegelung zu setzen. Das heißt das Vorsegel mit dem Spibaum ausbaumen und das Großsegel auf der anderen Seite mit „Bullenstander“ an der Klampe zu befestigen. Es funktioniert nach etwas „geraffel“ dann. Das Ergebnis des „Ausgebaumten“ Vorsegels ist beeindruckend. Fast 1kn mehr Speed ist drin. So geht es dann fast die Gesamtstrecke nach Albufeira. Eigentlich wollten wir vor Albufeira den Anker fallen lassen, doch ist der Ankerplatz mit gelben Bojen „blockiert“. Gelbe Bojen bedeuten eigentlich ein abgesperrter Schwimmbereich. Also doch nicht Ankern. Da es schon etwas später am Nachmittag ist bleibt als Plan B (Hauptsache man hat einen Plan) nur die Marina Albufeira. Also angefunkt, Platz zugewiesen bekommenund eingefahren. Die Marina ist sehr modern und angenehm. Es ist heiß, sehr heiß. Hier kann man bleiben.

Bis Bald

Nils